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Mallorca Fritz Die Insel erleben Merkliste
Illustrative Darstellung des Handels im Mittelmeer zur Zeit der Vandalen. (mit künstlicher Intelligenz erzeugte Abbildung)

Die Vandalen auf Mallorca

Zwischen Rom und Byzanz · Herrschaft, Handel und christliches Leben

Handel im Mittelmeer zur Zeit der Vandalen

Rund achtzig Jahre gehörte Mallorca zum Vandalenreich mit seinem Zentrum in Karthago. Danach kamen die Oströmer. Hier erfährst du, was sich auf der Insel veränderte und welche Orte du heute besuchen kannst.

Die Orte entdecken

Um 455 bis 534

Mallorca unter vandalischer Herrschaft

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts gerieten Mallorca und die übrigen Balearen unter die Herrschaft der Vandalen. Meist wird dafür das Jahr 455 genannt. Ihr König regierte von Karthago aus, an der Küste des heutigen Tunesien. Mallorca gehörte damit für rund achtzig Jahre zu einem Reich mit seinem Zentrum in Nordafrika.

Die Vandalen waren ein germanischer Verband, der über die Iberische Halbinsel nach Nordafrika gelangt war. 429 setzten sie nach Afrika über, 439 nahmen sie Karthago ein. Von dort aus dehnten sie ihren Machtbereich auf Inseln des westlichen Mittelmeers aus.

Die Balearen lagen zwischen Nordafrika, Italien und der Iberischen Halbinsel. Wer sie beherrschte, gewann Stützpunkte für seine Flotte. Die Häfen blieben zugleich Anlaufstellen für Handelsschiffe.

Schon für 425 werden vandalische Überfälle auf die Balearen genannt. Die dauerhafte Herrschaft begann jedoch erst später. Ein genauer Ablauf der Übernahme Mallorcas ist nicht überliefert.

Krieger und Boote an der Küste – illustrative Rekonstruktion.AI
Krieger und Boote an der Küste

Menschen und Handel

Wie ging das Leben auf der Insel weiter?

Auf Mallorca lebte eine Bevölkerung, deren Sprache und Lebensweise seit Jahrhunderten römisch geprägt waren. Wie viele Vandalen sich zusätzlich auf der Insel niederließen, ist nicht bekannt. Für einen vollständigen Austausch der Bevölkerung gibt es keinen Beleg.

Waren kamen weiterhin über das Meer. In Palma wurden aus der Zeit um 450 bis 475 nordafrikanisches Tafelgeschirr und Amphoren gefunden. Dazu kommen Erzeugnisse aus Ibiza und dem östlichen Mittelmeer. Die Handelsverbindungen brachen mit dem Wechsel der Herrschaft also nicht ab.

Für den Alltag in den folgenden spätantiken Jahrhunderten liefern die Ausgrabungen bei Manacor weitere Hinweise. In Son Peretó standen einfache, eingeschossige Häuser mit wenigen Räumen. Im Haus wurde gekocht, Getreide und Hülsenfrüchte wurden in Vorratsgruben gelagert. Die Bewohner betrieben Landwirtschaft und hielten Tiere. Amphorenreste belegen außerdem eingeführten Wein und Öl.

Alltag zwischen Wohnhäusern und Vorräten – illustrative Rekonstruktion.AI
Alltag zwischen Wohnhäusern und Vorräten

Ein Bischof aus Mallorca

Christliche Gemeinden und religiöse Konflikte

Im Jahre 484 erscheint Mallorca in einer Bischofsliste, die mit einer Religionsversammlung in Karthago verbunden ist. Genannt werden Helias von Mallorca, Macarius von Menorca und Opilio von Ibiza. Auf den drei Inseln bestanden damit christliche Gemeinden mit eigenen Bischöfen.

Auch die vandalischen Könige waren Christen. Sie vertraten jedoch die als arianisch bezeichnete Glaubensrichtung. Ein zentraler Streitpunkt war das Verhältnis Christi zu Gott dem Vater. Die katholischen Bischöfe folgten einer anderen Lehre.

Unter König Hunerich wurden katholische Bischöfe verfolgt. Die Berichte darüber betreffen vor allem Nordafrika. Welche einzelnen Maßnahmen auf Mallorca durchgesetzt wurden, ist nicht ausreichend überliefert. Der Name des mallorquinischen Bischofs in der Liste von 484 ist dagegen ein konkretes Zeugnis aus dieser Zeit.

Eine christliche Gemeinde in der Spätantike – illustrative Rekonstruktion.AI
Eine christliche Gemeinde in der Spätantike

Ruinen bei Alcúdia

Haben die Vandalen Pollentia zerstört?

Der große Brand in Pollentia wird ungefähr auf 270 bis 280 datiert. Er ereignete sich fast zweihundert Jahre vor der vandalischen Herrschaft auf Mallorca. Seine Ursache ist unbekannt. Die Behauptung, die Vandalen hätten damals die Stadt zerstört, stimmt deshalb nicht.

Pollentia blieb nach dem Brand bewohnt. Häuser und öffentliche Flächen wurden umgebaut oder anders genutzt. Eine Befestigung im Forumsbereich wird in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts datiert und wahrscheinlich mit der oströmischen Zeit verbunden.

Wenn du die Ausgrabung bei Alcúdia besuchst, siehst du Bauten aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Das Theater und die römischen Wohnhäuser sind älter als die Vandalenherrschaft. Auf unserer Seite Die Römer auf Mallorca findest du den Rundgang durch die drei Hauptbereiche.

Das Wort „Vandalismus“ entstand übrigens erst in der Französischen Revolution. Es wurde 1794 für die Zerstörung von Kulturgütern verwendet. Mit diesem viel späteren Begriff lässt sich nicht erklären, warum eine bestimmte antike Stadt zur Ruine wurde.

Die Ausgrabungsstätte Pollentia bei Alcúdia
Die Ausgrabungsstätte Pollentia bei Alcúdia

533/534

Die Balearen werden oströmisch

Kaiser Justinian ließ das Vandalenreich in Nordafrika angreifen. Sein Feldherr Belisar besiegte die Vandalen im Feldzug von 533/534. Danach wurden auch die Balearen in das oströmische Reich eingegliedert.

Der Geschichtsschreiber Prokop nennt dafür den Befehlshaber Apollinarios. Belisar schickte ihn zu den Inseln Ebusa, Majorica und Minorica – Ibiza, Mallorca und Menorca. Belisar selbst muss dafür also nicht auf Mallorca gelandet sein. Eine große Schlacht auf der Insel ist in diesem Bericht nicht beschrieben.

Das Zentrum des oströmischen Reiches lag in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Für dieses Reich verwenden wir heute auch den Namen Byzanz. Seine Bewohner verstanden sich weiterhin als Römer.

Die Kirchen und Siedlungen aus den folgenden Jahrhunderten gehören zur spätantiken Geschichte Mallorcas. Besonders gut kannst du diese Zeit in Son Peretó und im Geschichtsmuseum von Manacor kennenlernen.

Oströmische Soldaten und Bewohner an einem Küstenort – illustrative Rekonstruktion.AI
Oströmische Soldaten und Bewohner an einem Küstenort

Bei Manacor · 5. bis 7. Jahrhundert

Son Peretó: Kirche, Taufbecken und Gräber

An der Straße von Manacor nach Sant Llorenç liegen die Reste von Son Peretó. Die Anlage umfasst eine frühchristliche Basilika, einen Bereich für Taufen, angrenzende Räume und ein Gräberfeld. Auf dem Gelände kannst du den Grundriss der Kirche und die beiden Taufbecken erkennen.

Die Kirche hatte drei Schiffe. Ihre Böden waren mit Mosaiken ausgestattet. Die beiden Taufbecken werden ins 6. Jahrhundert datiert, die Mosaike ungefähr in dessen Mitte. Die gesamte Anlage gehört ins 5. bis 7. Jahrhundert; sie ist deshalb nicht pauschal der Vandalenherrschaft zuzuordnen.

Originalmosaike und weitere Funde siehst du im Museu d’Història de Manacor. Am Fundort wurden auch Mosaiknachbildungen eingesetzt. Wenn dich diese Epoche interessiert, lohnt sich die Verbindung von Ausgrabung und Museum.

Informationen zum Gelände findest du bei der Gemeinde Manacor.

Modell der frühchristlichen Basilika von Son Peretó im Museu d’Història de Manacor.
Modell der frühchristlichen Basilika von Son Peretó im Museu d’Història de Manacor.

Münzen und Siegel

Weitere Funde aus der oströmischen Zeit

Bei Son Fadrinet nahe Campos wurde ein frühchristlicher Kirchenkomplex ausgegraben. Von dort sind auch zwei byzantinische Goldmünzen mit Prägezeiten von 737/738 und 739 bekannt. Sie sind deutlich jünger als die Vandalenherrschaft. Für einen Besuch ist Son Fadrinet nicht mit dem frei zugänglichen Gelände von Son Peretó gleichzusetzen; ein regulärer öffentlicher Zugang ist hier nicht bestätigt.

Vom Castell de Santueri bei Felanitx stammen byzantinische Bleisiegel. Solche Siegel verschlossen Dokumente. Die Stücke wurden allerdings nicht bei einer wissenschaftlich dokumentierten Ausgrabung geborgen. Wo genau sie ursprünglich lagen, ist deshalb nur eingeschränkt nachvollziehbar.

Die heute sichtbaren Burgmauern von Santueri sind damit nicht automatisch byzantinisch. Wer die Burg besucht, sieht vor allem eine wesentlich spätere Anlage. Die Siegel sind ein Fund aus ihrer langen Vorgeschichte.

Bis zur muslimischen Eroberung

Was geschah zwischen 534 und 902/903?

Nach der oströmischen Übernahme vergingen noch fast vierhundert Jahre bis zur muslimischen Eroberung. Aus dieser Zeit sind einzelne Nachrichten erhalten: Um 595 schrieb der Bischof Licinian von Cartagena an den Bischof von Ibiza. Ein Schreiben Papst Gregors des Großen von 603 betrifft ein Kloster auf Cabrera.

Im frühen 8. Jahrhundert griffen muslimische Flotten die Balearen an. Solche Angriffe bedeuteten noch keine dauerhafte Übernahme. Wie stark Konstantinopel die Inseln im 8. und 9. Jahrhundert tatsächlich kontrollierte, ist nicht durchgehend bekannt.

Erst 902/903 wurden die Balearen dauerhaft in die islamische Herrschaftswelt eingegliedert. Damit begann die Zeit des muslimischen Mallorca. Wie es weiterging, erfährst du auf der Seite Das muslimische Mallorca.

Geschichte unterwegs entdecken

Orte zur spätantiken Geschichte Mallorcas

Ein Ausflug bei Manacor

Son Peretó und das Museum verbinden

Besichtige zunächst das Gelände von Son Peretó. Dort kannst du die Kirche, den Taufbereich und die angrenzenden Räume im Zusammenhang sehen. Die Informationstafeln helfen dir bei der Orientierung.

Im Geschichtsmuseum von Manacor findest du anschließend Originalmosaike und weitere Funde. Für eine Pause oder einen Stadtbummel bietet sich Manacor an.

Quellen und weiterführende Informationen

Friedhelm Fischers Aufzeichnungen und Recherchen von 2013 bis 2026 sowie:

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