Pollentia bei Alcúdia
Die umfangreichste Besichtigung auf dieser Karte: Wohnhäuser in Sa Portella, Tempel- und Ladenfundamente am Forum sowie das aus dem Fels gearbeitete Theater. Zur Ortsseite Pollentia →
Marktleben im römischen Pollentia
123 v. Chr. eroberten die Römer Mallorca. Sie bauten Städte, Tempel und ein Theater, das du heute noch besuchen kannst. Hier erfährst du mehr über ihre Herrschaft, den Alltag und die erhaltenen Ausgrabungsstätten.
123 v. Chr.
Im Jahre 123 v. Chr. eroberte der römische Konsul Quintus Caecilius Metellus Mallorca und Menorca. Für seinen Feldzug erhielt er später den Beinamen Balearicus. Rom war damals noch eine Republik. Die Kaiserzeit begann erst knapp hundert Jahre später.
Auf Mallorca lebten die Menschen in Siedlungen der posttalayotischen Kultur. Sie betrieben Landwirtschaft und handelten mit anderen Regionen des Mittelmeers. Die balearischen Schleuderer waren als Söldner bekannt und hatten bereits in den Heeren Karthagos gekämpft.
Als Anlass für den Angriff nennen antike Autoren die Piraterie. Sie gefährdete den Schiffsverkehr zwischen Italien und der Iberischen Halbinsel. Strabon schrieb allerdings, dass nur ein kleiner Teil der Inselbewohner daran beteiligt gewesen sei. Mit der Eroberung gewann Rom außerdem Stützpunkte an diesen Handelswegen.
AIMetellus und die balearischen Schleuderer
Strabon berichtet, Metellus habe seine Schiffe mit Tierhäuten abdecken lassen, um sie vor den Steinen der Schleuderer zu schützen. Die Inselbewohner wehrten sich also gegen die ankommende Flotte. Über den weiteren Verlauf der Kämpfe ist wenig überliefert. Auch der genaue Landungsort auf Mallorca ist unbekannt.
Der Feldzug und die anschließende Neuordnung werden den Jahren 123 bis 121 v. Chr. zugeordnet. Die Römer legten militärische Stützpunkte an. Reste solcher Anlagen wurden bei Son Espases nahe Palma und in Ses Salines gefunden.
AIStädte und Siedlungen
Mallorca und Menorca wurden zunächst der Provinz Hispania citerior zugeordnet. Strabon nennt 3.000 römische Siedler, die Metellus aus Iberien auf die Inseln gebracht habe. Palma und Pollentia wurden zu den wichtigsten römischen Städten Mallorcas.
In den Städten entstanden Wohnhäuser mit Innenhöfen, Tempel, Läden und öffentliche Plätze. Latein wurde zur Sprache der Verwaltung. Römisches Recht bestimmte Besitz und Bürgerrechte. Wohlhabende Familien besaßen große Häuser und Land; versklavte Menschen hatten keine persönliche Freiheit.
Auf dem Land wurden ältere Siedlungen weiter genutzt. In Son Fornés haben Archäologen aus der Zeit vor und nach der Eroberung unter anderem Arbeitsräume und Vorratsbereiche freigelegt. Importierte Keramik kam hinzu, während die Bewohner weiterhin auch Töpfe nach einheimischer Tradition herstellten.
AIAmphoren, Wein und Öl
Vor Mallorca und Cabrera liegen römische Schiffswracks. Ihre Ladungen enthalten Amphoren aus der Baetica, dem Süden des heutigen Spanien. In solchen Tongefäßen transportierte man unter anderem Olivenöl, Wein und eingelegte Fischprodukte.
Die Schiffe fuhren zwischen Häfen der Iberischen Halbinsel, Nordafrikas und Italiens. Nicht jede vor Mallorca gesunkene Ladung war für die Insel bestimmt; einige Schiffe waren auf dem Weg nach Rom oder Narbonne.
Auch auf den Balearen wurde Wein angebaut. Plinius erwähnte ihn lobend. In den Siedlungen finden sich sowohl einheimische Gefäße als auch eingeführtes Geschirr. In Son Fornés wurden beispielsweise Weinamphoren zusammen mit importierten Trinkschalen gefunden.
AIDie römische Stadt bei Alcúdia
Pollentia liegt unmittelbar vor der Altstadt von Alcúdia, zwischen den Buchten von Alcúdia und Pollença. Hier kannst du ein Wohnviertel, das Forum und das Theater besichtigen.
Die Gründung der Stadt wird mit Metellus und der Eroberung von 123 v. Chr. verbunden. Die ältesten bislang gefundenen römischen Baureste im Forum sind jedoch jünger: Sie stammen ungefähr aus der Zeit um 70 v. Chr. Das Theater wurde erst im 1. Jahrhundert n. Chr. gebaut.
Für den Rundgang lohnt es sich, die drei Bereiche einzeln anzuschauen. Im Wohnviertel erkennst du Räume und Straßen, am Forum Tempel- und Ladenreste. Zum Theater führt der Weg etwas weiter nach Süden.

Sa Portella
In Sa Portella liegen die Grundmauern dreier Stadthäuser. Am besten erhalten ist die Casa dels Dos Tresors. Ihre Räume waren um ein Atrium angeordnet. An der Straße davor stehen noch Säulen des ehemaligen Vorbaus.
Die Casa del Cap de Bronze wurde nach einem dort gefundenen Bronzekopf benannt. Sie besaß einen säulenumstandenen Innenhof. Der Bronzekopf wird im Museum von Pollentia aufbewahrt.
Beim dritten Haus, der Casa del Noroest, sind weniger Mauern erhalten. Über seinen Fundamenten verläuft ein Abschnitt einer späteren Befestigung. Die großen Häuser gehörten wohlhabenden Bewohnern; einfache Unterkünfte sahen anders aus.
AITempel und Geschäfte
Auf dem Forum lagen Tempel und Geschäfte dicht beieinander. Der große Tempel wird als Kapitol bezeichnet und mit den Gottheiten Jupiter, Juno und Minerva verbunden. Daneben sind kleinere Heiligtümer und eine Reihe von Ladenräumen ausgegraben.
Diese Räume heißen in den Beschreibungen tabernae. Gemeint sind Geschäfte oder Werkstätten. Dort wurde verkauft und gearbeitet. Auf dem Platz fanden außerdem öffentliche und religiöse Veranstaltungen statt.
Heute sind vor allem Fundamente zu sehen. Die Tafeln vor Ort helfen dir, die Tempel und Ladenzeilen auf dem Gelände zuzuordnen.
AI1. Jahrhundert n. Chr.
Südlich der Wohnviertel liegt das Theater. Seine Erbauer nutzten den Hang und schlugen Teile der Sitzreihen aus dem Fels. Von oben erkennst du den Zuschauerraum, die halbrunde Fläche davor und den Bühnenbereich.
Hier wurden Theaterstücke aufgeführt. Für Gladiatorenkämpfe war die Anlage nicht gedacht. Das Theater entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. und gehört damit zu den späteren Bauten der Stadt.
Der Weg dorthin gehört zum Rundgang durch Pollentia. Gerade im Sommer solltest du Wasser mitnehmen: Die offene Fläche bietet wenig Schutz vor der Sonne.
AIEssen, Haushalt und Religion
Im Museu Monogràfic de Pol·lèntia in Alcúdias Altstadt sind Funde aus der Stadt ausgestellt: Koch- und Essgeschirr, Vorratsgefäße, Schmuck und religiöse Gegenstände. Ein Museumsbesuch ergänzt den Rundgang durch die Ausgrabungen.
Gekocht wurde an Feuerstellen oder gemauerten Herden. Gegessen wurden unter anderem Hülsenfrüchte, Obst, Oliven, Fisch und Fleisch. Öl und Wein gehörten ebenfalls dazu. Welche Lebensmittel sich eine Familie leisten konnte, hing von ihrem Einkommen ab.
Auch zu Hause verehrte man Gottheiten. Kleine Altäre dienten dem Hauskult. Gräber und Grabbeigaben geben Auskunft über Bestattungen. Neben den öffentlichen Tempeln und dem Theater findest du im Museum deshalb vieles, das zum privaten Leben der Bewohner gehörte.
AIVom 3. bis zum 6. Jahrhundert
In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. brannten Teile Pollentias ab. Häufig wird der Brand um 270 bis 280 eingeordnet. Seine Ursache ist unbekannt.
Die Stadt wurde danach weiter genutzt. Später legte man auf früheren öffentlichen Flächen auch Gräber an. Die Vandalen übernahmen die Balearen erst im 5. Jahrhundert, also lange nach diesem Brand. Ab 534 gehörten die Inseln zum oströmisch-byzantinischen Reich.
Aus dieser späten Epoche stammt die frühchristliche Anlage von Son Peretó bei Manacor. Dort sind die Grundmauern einer Kirche, Taufbecken und Gräber zu sehen. Sie gehören ins 5. bis 7. Jahrhundert. Mehr über die folgenden Herrschaften findest du unter Mallorcas Geschichte.
AIAusgrabungen und erhaltene Mauern
In Pollentia kannst du durch eine römische Stadt gehen. In Palma ist ein Mauerrest erhalten, in Son Fornés stehen Bauten aus mehreren Epochen. Son Peretó führt in die spätere christliche Zeit. Die Pont Romà bei Pollença ist ebenfalls eingezeichnet; ihr römischer Ursprung ist nicht belegt.
Mit Ortsseite Weitere Fundstätte
Die umfangreichste Besichtigung auf dieser Karte: Wohnhäuser in Sa Portella, Tempel- und Ladenfundamente am Forum sowie das aus dem Fels gearbeitete Theater. Zur Ortsseite Pollentia →
An der Seitenfassade von Can Bordils im Carrer de l’Almudaina, 9, ist ein Rest der römischen Stadtmauer freigelegt. Der Torbogen daneben stammt dagegen aus dem Mittelalter. Ein kurzer Abstecher bei deinem Spaziergang durch Palma.
Zwischen den älteren Talayots liegen auch spätere Gebäudereste. Aus der klassischen Phase, die bis in die römische Herrschaft reicht, sind Arbeits- und Vorratsbereiche ausgegraben. Die großen Steintürme selbst sind deutlich älter. Zur Ortsseite Son Fornés →
Hier siehst du die Grundmauern einer frühchristlichen Basilika, Taufbecken, angrenzende Räume und Gräber. Die Anlage stammt aus dem 5. bis 7. Jahrhundert und gehört zur Spätantike, einschließlich der byzantinischen Zeit. Sie liegt an der Straße von Manacor nach Sant Llorenç; Informationstafeln begleiten den Rundgang. Besuchsinformationen der Gemeinde Manacor →
Die Steinbrücke über den Torrent de Sant Jordi ist erstmals 1403 als Pont de Cubelles belegt. Den Namen „Römerbrücke“ trägt sie seit dem 19. Jahrhundert. Ob sie tatsächlich römische Ursprünge hat, ist ungeklärt. Zur Ortsseite Pollença →
Geschichte unterwegs entdecken
Die römische Stadt
Hausgrundrisse, Forum und Theater: Hier kannst du den Spuren des römischen Alltags zu Fuß folgen.
Fotos und Besuchstipps →
Altstadt und Museum
Verbinde die Ausgrabungen mit dem Museum und einem Spaziergang durch die heutige Altstadt.
Fotos und Besuchstipps →
Eine Stadt mit römischen Wurzeln
Auch Palma war ein römisches Zentrum. Das heutige Stadtbild erzählt vor allem von den Jahrhunderten danach.
Fotos und Besuchstipps →Zeit für einen Rundgang
Beginne im Wohnviertel Sa Portella. Folge den Mauern und schau, wie Räume und Straßen zusammenhängen. Danach geht es zum Forum mit seinen Tempel- und Ladenresten.
Nimm dir auch für den Weg zum Theater Zeit. Anschließend ergänzt das Museum in der Altstadt die Bauwerke um die kleinen Gegenstände des Alltags. Wenn du lieber erst die Funde siehst, kannst du die Reihenfolge natürlich umdrehen.
Danach passt ein Bummel durch Alcúdia. Die Altstadt liegt direkt neben dem Ausgrabungsgelände. Dort findest du auch Cafés und Restaurants für eine Pause.
Friedhelm Fischers Aufzeichnungen und Recherchen von 2013 bis 2026 sowie:
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