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Mallorca Fritz Die Insel erleben Merkliste
Illustrative Darstellung der Landung des Heeres Jaumes I. bei Santa Ponça. (mit künstlicher Intelligenz erzeugte Abbildung)

1229 und die Folgen

Jaume I. · Die Eroberung und das Königreich Mallorca

Die Landung bei Santa Ponça im September 1229

Bei Santa Ponça landete Jaume I., in Palma stürmten seine Truppen die Hauptstadt. Was folgte, veränderte das Leben auf der ganzen Insel. Hier erfährst du, wie Mallorca erobert wurde, was mit seinen Bewohnern geschah und welche Bauten von der Zeit danach erzählen.

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Der König und sein Heer

Wer war Jaume I.?

Jaume I. war König von Aragón und Graf von Barcelona. Auf Spanisch heißt er Jaime I.; sein Beiname lautet „der Eroberer“. 1229 führte er das Heer an, das das muslimisch regierte Mallorca angriff.

Zu seiner Krone gehörten unterschiedliche Herrschaftsgebiete. Einen spanischen Nationalstaat im heutigen Sinn gab es noch nicht. Wenn du von der „spanischen Eroberung“ Mallorcas liest, ist damit meist dieser Feldzug gemeint. Genauer ist die Eroberung durch Jaume I. und sein Heer, an dem besonders viele Männer aus katalanischen Gebieten beteiligt waren.

Auf der Insel bestand bereits eine gewachsene Gesellschaft mit Städten, Dörfern, Landwirtschaft und Handelsverbindungen. Ihre Geschichte findest du auf der Seite Das muslimische Mallorca.

Jaume I. mit seinem Gefolge – illustrative Rekonstruktion.AI
Jaume I. mit seinem Gefolge

Land, Macht und Seewege

Warum wollte Jaume I. Mallorca erobern?

Für den König versprach Mallorca neue Herrschaft und Einnahmen. Adlige und kirchliche Mitstreiter erwarteten Land, Häuser, Einkünfte und Beute. Schon vor dem Erfolg wurden Ansprüche auf den später eroberten Besitz vereinbart.

Auch die Lage im westlichen Mittelmeer spielte eine Rolle. Wer Mallorca kontrollierte, gewann Einfluss auf die Seewege zwischen der Iberischen Halbinsel, Nordafrika und Italien. Zugleich wurde der Krieg religiös gerechtfertigt und päpstlich unterstützt. Machtinteressen, wirtschaftliche Ziele und christlicher Glaubenseifer gehörten für die Beteiligten zusammen.

Die Vorbereitung des Feldzugs – illustrative Rekonstruktion.AI
Die Vorbereitung des Feldzugs

10. September 1229

Die Landung bei Santa Ponça

Die Flotte kam von der katalanischen Küste. Am 10. September 1229 landeten die Truppen bei Santa Ponça. Der heutige Ferienort war damit Ausgangspunkt des Vormarschs auf die Hauptstadt.

Auf dem Weg kam es zu Kämpfen. Am 12. September folgte die Schlacht von Portopí. Anschließend begann das Heer die Belagerung von Madina Mayurqa, dem heutigen Palma.

In Santa Ponça erinnert ein Kreuz an die Landung. Es ist ein späteres Denkmal, kein Überrest aus dem Lager des Königs. Auch die Festes del rei En Jaume erinnern an die Ereignisse: Rund um den Jahrestag wird die Landung mit Veranstaltungen und Nachstellungen aufgegriffen.

Soldaten gehen bei Santa Ponça an Land – illustrative Rekonstruktion.AI
Soldaten gehen bei Santa Ponça an Land

31. Dezember 1229

Madina Mayurqa wird eingenommen

Die Belagerung dauerte mehrere Monate. Am 31. Dezember 1229 drangen die Truppen in die Hauptstadt ein. Die Stadt wurde geplündert; die Einnahme war mit massiver Gewalt gegen ihre Bewohner verbunden.

Menschen wurden getötet, gefangen genommen und versklavt. Andere entkamen ins Inselinnere. Für die muslimische Bevölkerung bedeutete der Sieg Jaumes I. den Zusammenbruch ihrer bisherigen Herrschaftsordnung und vielfach den Verlust von Familie, Freiheit und Besitz.

Mit der Einnahme der Hauptstadt war der Feldzug noch nicht beendet. Wer nur das Jahr 1229 nennt, lässt die folgenden Kämpfe in den Bergen aus.

Der Angriff auf die befestigte Hauptstadt – illustrative Rekonstruktion.AI
Der Angriff auf die befestigte Hauptstadt

1230 bis 1232

Flucht und Widerstand in der Tramuntana

In der Serra de Tramuntana suchten muslimische Bewohner Schutz. Zu den Rückzugsräumen gehörten Gebiete um Sóller und Banyalbufar sowie Almallutx beim heutigen Stausee Gorg Blau.

Archäologen haben in Almallutx Wohnbauten, eine Moschee und einen Friedhof untersucht. Zusammen mit den schriftlichen Berichten geben die Funde Auskunft über die Menschen, die nach dem Fall Palmas in den Bergen lebten. Bis 1232 dauerten Kämpfe, Verhandlungen und Unterwerfung an.

Almallutx liegt heute im Überflutungsbereich des Stausees und ist kein regelmäßig zugängliches Freilichtmuseum. Mehr über die Siedlung liest du im Abschnitt zu Almallutx.

Menschen suchen in den Bergen Zuflucht – illustrative Rekonstruktion.AI
Menschen suchen in den Bergen Zuflucht

Das Leben nach dem Krieg

Was geschah mit den muslimischen Bewohnern?

Viele Überlebende wurden versklavt und verkauft. Sie arbeiteten unter anderem in der Landwirtschaft und in städtischen Haushalten und Betrieben. Die Versklavung endete nicht mit den Kämpfen; sie blieb über lange Zeit Teil der Wirtschaft.

Andere Menschen flohen, wurden freigelassen oder lebten als freie Muslime unter besonderen rechtlichen Bedingungen weiter. Lösegeld und Verbindungen über das Meer konnten einzelne Lebenswege verändern. Nicht alle muslimischen Bewohner verschwanden mit einem Schlag von der Insel.

Für große Teile der Bevölkerung waren die Folgen dennoch grundlegend: Die neuen Herren übernahmen Land und Häuser, während die bisherigen Besitzer ihre Rechte und wirtschaftliche Grundlage verloren.

Eine Familie verlässt die umkämpfte Stadt – illustrative Rekonstruktion.AI
Eine Familie verlässt die umkämpfte Stadt

Der Repartiment

Die Sieger teilen die Insel auf

Land, Häuser und Einkünfte wurden unter den Siegern verteilt. Ungefähr die Hälfte ging an den König, die andere an große Mitwirkende des Feldzugs, die ihre Anteile wiederum weiterverteilten. Diese Aufteilung wird als Repartiment bezeichnet.

Der Llibre del Repartiment verzeichnet Besitz und neue Ansprüche. Für die Forschung ist er eine wichtige Quelle zu Siedlungen und Landnutzung. Für die bisherigen Eigentümer bedeutete die Verteilung meist Enteignung.

Schon nach der Einnahme der Hauptstadt führte Jaume I. den Königstitel für Mallorca. Das Königreich entstand also nicht erst mit der Erbteilung von 1276. Die Carta de Franqueses vom 1. März 1230 regelte Rechte der neuen Bevölkerung, Eigentum, Justiz und Handel. Vergünstigungen sollten Siedler anziehen und die Wirtschaft in Gang bringen.

Die neuen Herren erfassen Besitz und Ansprüche – illustrative Rekonstruktion.AI
Die neuen Herren erfassen Besitz und Ansprüche

Neue Siedler und Kirchen

Warum auf Mallorca Katalanisch gesprochen wird

Viele neue Siedler kamen aus katalanischen Gebieten. Ihre Zuwanderung legte eine wesentliche Grundlage für die katalanische Sprache auf Mallorca. Das war ein Wandel über Generationen, kein plötzlicher Sprachwechsel aller Bewohner an einem einzigen Tag.

Das Mallorquinische gehört zu den auf den Balearen gesprochenen Formen des Katalanischen. Seine Geschichte ist deshalb eng mit der Besiedlung nach der Eroberung verbunden.

Auch die Religion der Herrschenden und die öffentlichen Institutionen änderten sich. Kirchen und Klöster entstanden, die christliche Kirche erhielt Besitz und Einfluss. Daneben gehörten weiterhin muslimische Minderheiten und jüdische Gemeinden zur Geschichte der Insel.

Neue Siedler kommen in ein Dorf mit einer Kirche im Bau – illustrative Rekonstruktion.AI
Neue Siedler kommen in ein Dorf mit einer Kirche im Bau

La Seu in Palma

Aus der Hauptmoschee wird eine christliche Kirche

Nach der Eroberung wurde die Hauptmoschee Palmas für den christlichen Gottesdienst geweiht. Die mächtige Kathedrale La Seu, die du heute am Meer siehst, stand damals noch nicht.

Der Neubau begann im 13. Jahrhundert und wurde über viele Generationen fortgesetzt. Die offizielle Baugeschichte reicht bis in die 1630er-Jahre; weitere Umgestaltungen folgten danach. Die heutige Kathedrale gehört zu den langfristigen Folgen der Eroberung, nicht zur Kulisse der Landung von 1229.

Wenn du durch den Innenraum gehst, siehst du deshalb auch Werke deutlich späterer Zeiten. Zu ihnen gehören die Veränderungen Antoni Gaudís zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Innenraum von La Seu: Die Kathedrale entstand über mehrere Jahrhunderte.
Der Innenraum von La Seu: Die Kathedrale entstand über mehrere Jahrhunderte.

Bauen für das Königshaus

Almudaina und Bellver

Die Almudaina gegenüber der Kathedrale hatte bereits als islamische Residenz gedient. Unter Jaume II. begann im frühen 14. Jahrhundert ihr großer Umbau zum Königspalast. Eine zentrale Bauphase fällt in die Jahre 1305 bis 1314.

Auch das Castell de Bellver gehört in diese spätere Zeit. Jaume II. ließ die runde Burg zwischen 1300 und 1311 errichten. Sie liegt auf einem bewaldeten Hügel über Palma und war als königliche Residenz geplant.

Beide Bauten kannst du besuchen. Die Almudaina liegt unmittelbar bei La Seu; für Bellver planst du einen eigenen Abstecher ein. Im runden Innenhof und beim Blick über die Bucht bekommst du einen Eindruck davon, wie aufwendig sich die mallorquinischen Könige ihre Residenz gestalten ließen.

Der runde Innenhof des Castell de Bellver, erbaut unter Jaume II.
Der runde Innenhof des Castell de Bellver, erbaut unter Jaume II.

1276 bis 1349

Ein eigenes Königshaus – und neue Kriege

Nach dem Tod Jaumes I. im Jahr 1276 erhielt sein Sohn Jaume II. Mallorca und weitere Besitzungen, darunter Gebiete nördlich der Pyrenäen. Dieses Herrschaftsgebiet war also größer als die Insel. 1279 musste Jaume II. die Lehnshoheit des aragonesischen Familienzweigs anerkennen.

Die Beziehungen blieben konfliktreich. 1285 wurde Mallorca vom aragonesischen Zweig besetzt. 1343 nahm Pere IV. die Insel von Jaume III. ein. Dessen Versuch, sie zurückzugewinnen, endete 1349 mit seiner Niederlage und seinem Tod bei Llucmajor.

Damit scheiterte das eigene Königshaus. Der Titel „Königreich Mallorca“ und besondere Institutionen bestanden jedoch weiter. Die Übernahme von 1343 und die Schlacht von 1349 sind deshalb zwei verschiedene Ereignisse.

Bewaffnete Kämpfe um die Herrschaft auf Mallorca – illustrative Rekonstruktion.AI
Bewaffnete Kämpfe um die Herrschaft auf Mallorca

Felder, Landgüter und Arbeit

Was blieb – und was sich später veränderte

Die neuen Besitzer nutzten vorhandene Quellen, Kanäle, Speicher und Anbauflächen weiter. In der Tramuntana wurden ältere Wasseranlagen mit späteren Terrassen, Trockensteinbauten und größeren Landgütern verbunden. Nicht jede Mauer, die du heute siehst, stammt aus derselben Epoche.

Die großen mallorquinischen Landgüter, die possessions, erhielten ihre bekannte Gestalt erst durch lange Entwicklungen: Besitz wurde verkauft, zusammengelegt oder wegen Schulden verloren. Noch im 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts arbeiteten versklavte Menschen auf großen Betrieben.

Später führten Abgaben und Spannungen zwischen Stadt und Land zu neuen Konflikten. Dazu gehören die Revolta Forana ab 1450 und die Germanies ab 1521. Das waren keine Fortsetzungen des muslimischen Widerstands von 1229, sondern Aufstände in einer inzwischen grundlegend veränderten Gesellschaft.

Wie es ab 1700 weiterging, findest du in der Geschichtsübersicht.

Landwirtschaft an bewässerten Terrassen – illustrative Rekonstruktion.AI
Landwirtschaft an bewässerten Terrassen

Geschichte unterwegs entdecken

Diese Orte erzählen von der Eroberung und der Zeit danach

Deine Entdeckungstour

Von Santa Ponça zu den Königsbauten in Palma

In Santa Ponça kannst du das Landungsgedenken mit einem Spaziergang an der Küste verbinden. Für die großen Bauten der folgenden Jahrhunderte fährst du nach Palma: La Seu und die Almudaina liegen unmittelbar beieinander.

Das Castell de Bellver liegt außerhalb der Altstadt auf seinem bewaldeten Hügel. Plane dafür einen eigenen Abstecher ein. Mit dem Blick über Palma siehst du auch die Stadt, um die 1229 gekämpft wurde.

Quellen und weiterführende Informationen

Friedhelm Fischers Aufzeichnungen und Recherchen von 2013 bis 2026 sowie:

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